Sie sind eine wichtige Behandlungsalternative der Erfahrungsmedizin. Was es bei der Anwendung zu beachten gilt

Ob bei der Rehabilitation nach Sportverletzungen oder beim Heilen von Entzündungen – Enzyme werden vielfältig eingesetzt. Eine aktuelle Studie am Rheuma-Reha-Zentrum in Saalfelden (Österreich) belegt, dass Arthrosekranke bei einer Behandlung mit diesen Substanzen weniger Schmerzmittel brauchen. Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Enzymen finden Sie hier.

Was sind eigentlich Enzyme?

Es sind Eiweißkörper, die Stoffwechselreaktionen beschleunigen. Sie sind daher in allen Organismen vorhanden und an allen Lebensvorgängen beteiligt – von der Zellteilung bis zum Verdauen der Nahrung. Jede dieser Substanzen ist darauf spezialisiert, eine bestimmte Stoffwechselreaktion zu beschleunigen. Deshalb gibt es viele Tausend verschiedene Enzyme.

Lassen sich diese Substanzen zur Behandlung von Krankheiten nutzen?

Abgesehen von einigen Spezialfällen werden Enzyme vor allem in zwei Anwendungsgebieten in größerem Umfang eingesetzt: Zum einen sind dies Magen-Darm- Beschwerden, die auf einen Mangel an Verdauungsenzymen zurückzuführen sind. Schon seit Langem empfehlen Apotheker Pepsinwein, wenn die Verdauung bei älteren Menschen nicht funktioniert. Pepsin ist ein Enzym, das im Magen von Wirbeltieren vorkommt. Auch die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse werden therapeutisch genutzt, wenn das Organ nicht mehr richtig arbeitet und es daher zu Problemen wie Völlegefühl, Blähungen oder Durchfall kommt.

Das zweite große Einsatzgebiet ist die systemische Therapie. Dabei werden die Enzyme eingenommen, gelangen vom Darm aus in den Körper und entfalten dort ihre Wirkung. Es werden vor allem eiweißspaltende Enzyme wie Bromelain aus der Ananas, Papain aus der Papaya und Trypsin aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen verwendet.

Wann hilft eine systemische Enzymtherapie?

Vor allem bei akuten und chronischen Entzündungen. Je nach der Zusammensetzung werden die Präparate bei chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen, zur Stärkung der Infektabwehr oder bei einer Neigung zu Harnwegsinfekten eingesetzt, aber auch bei Sportverletzungen und Gelenkschmerzen. Experten vermuten, dass Enzyme Entzündungseiweisse deaktivieren und so das Abklingen von Entzündungen beschleunigen können.

Wie gelangen Enzyme in den Körper?

Eigentlich sind diese Moleküle zu groß, um unverändert in den Körper aufgenommen zu werden. Durch die Verarbeitung in entsprechenden Fertigarzneimitteln gelangen sie jedoch in aktiver Form in den Dünndarm und werden dort von speziellen Transportmolekülen aufgenommen.

Reicht es nicht, Ananas und Papaya zu essen?

Nein. Damit Enzyme in aktiver Form vom Körper aufgenommen werden, dürfen sie nicht mit der Magensäure in Berührung kommen. Diese würde sie so verändern, dass sie im Dünndarm verdaut würden. Deshalb sind Dragees zur systemischen Therapie so behandelt, dass sie ihre Wirkstoffe erst im Dünndarm freisetzen. Ananas und Papaya sind lecker und vitaminreich, aber nicht therapeutisch wirksam bei Entzündungen.

Soll man Enzympräparate vor oder nach dem Essen einnehmen?

Das kommt darauf an. Pepsinwein trinkt man am besten eine halbe Stunde vor dem Essen, weil er auch Bestandteile enthält, die den Appetit anregen. Präparate, die fehlende Enzyme der Bauchspeicheldrüse ersetzen sollen, werden zum Essen mit reichlich Flüssigkeit unzerkaut eingenommen. So ist sichergestellt, dass die Nahrung zusammen mit den Verdauungsenzymen den Magen-Darm-Trakt passiert. Bei der systemischen Enzymtherapie sollte man das Präparat dagegen mindestens eine Stunde vor dem Essen einnehmen. Denn der Kontakt mit Nahrung verschlechtert die Aufnahme in den Körper und verringert so die Wirksamkeit.

Wie werden Enzyme dosiert?

Die Dosis hängt vom Anwendungsgebiet und dem Erkrankungsstadium ab. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten. Allgemein gilt: Bei akuten Beschwerden wird eine höhere Dosis benötigt als zur Vorbeugung.

Gibt es auch Nebenwirkungen?

Zu den häufigeren Nebenwirkungen einer systemischen Enzymtherapie gehören Verdauungsprobleme wie Blähungen oder eine Veränderung der Stuhlbeschaffenheit. In sehr seltenen Fällen kann sich auch das Gerinnungsverhalten des Bluts verändern.

Wer sollte keine Präparate zur systemischen Therapie nehmen?

Bei Gerinnungsstörungen, schweren Leber- und Nierenerkrankungen, der Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten oder Acetylsalicylsäure und der Behandlung mit Heparinen sollte eine systemische Enzymtherapie nur auf Rat eines Arztes und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

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